Die Geister, die ich rief
von Webfan
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Datum: 09.04.2010, 16:38
Andreas Brüggen, Geschäftsführer des Leiterplattenherstellers MicroCirtec.de, lehnt den Handel mit Leiterplatten aus Billiglohnländern als Ersatz und/oder Ergänzung des eigenen Portfolios gänzlich ab. Darüber hinaus sieht er es mit Sorge, dass viele Firmen in China ihren Ausweg aus der Absatzkrise sehen und der deutschen Volumenfertigung somit endgültig den Garaus machen.
Golden waren die Achtziger, als ein verheißungsvoller Markt mehr als 340 deutschen Leiterplattenherstellern ein sattes Auskommen bescherte. Obwohl das globale Bedarfsvolumen tatsächlich rasant anstieg, haben sich bis heute rund 250 Leiterplattenhersteller aus der Branche verabschiedet. Das ist vor allem dem gnadenlosen Preisdruckfernöstlichen Wettbewerbs geschuldet ? leider aber auch dem fatalen Verhalten der Untergegangenen. So mancher Hersteller suchte sein Heil im Aufkaufen von Kapazitäten oder in der Fertigung von HDI-Schaltungen. Am Ende war man jedoch zu klein, oder die fokussierten Märkte wanderten aus. Um in dieser Situation bestehende Kunden nicht zu verlieren, erschien es für viele vernünftig, Ware unter eigenem Namen anzubieten, die tatsächlich aber aus Fertigungen meist nah- und fernöstlicher Kooperationspartner kommt. Die Unzahl von Kooperationsangeboten aus Fernost in den Email-Eingängen deutscher Hersteller zeigen, wie dankbar Billiganbieter für diesen von der Heimatkonkurrenz geförderten Marktzutritt waren. Die Schwierigkeit beides anzubieten, ist schon in der Unauflöslichkeit eines marketingtechnischen Grundkonfliktes angelegt. Man bietet ein und dasselbe Produkt zu unterschiedlichen Preisen an. Denn der Leiterplattenhersteller versteht sich als ein Dienstleister, der das macht, was der Kunde will. Das heißt: Der Kunde legt mit seinen Spezifikationen fest, wie das Produkt auszusehen hat und was es können muss. Aber wie nun differenzieren? Es bleibt nur der Weg über die »Argumentationskrücke« Qualität. Mit dem Label der »deutschen Wertarbeit« wird letztendlich nur die eigentliche Botschaft vernebelt, dass man Leiterplatten im Portfolio hat, die immer funktionieren (»Made in Germany!«) ? und solche, die »meistens« funktionieren. Dies klingt nicht nur in den Ohren qualitätsfanatischer Automotive-Einkäufer schräg! Doch selbst wenn der Kunde sich auf eine Unterscheidung zwischen »edler« deutscher und asiatischer Fertigung einlässt: Spätestens beim ersten Qualitätsmangel oder Lieferverzug wird aus dem Qualitätshaus mit dem guten Namen der Lieferant mit dem »Asienschrott«. Mit den niedrigen Preisen aus den Lohndumpingländern holt man sich zudem die eigene Konkurrenz ins Haus. Diese Erfahrung ist vor allem dann schmerzhaft, wenn dem eigenen langjährigen Kunden die neuen Preise wirklich gut gefallen: »Prima Preise haben Sie da für unser Neuprojekt! Dann bieten Sie mir doch mal alle unsere bei Ihnen laufenden Platinen mit asiatischer Fertigung neu an!« Damit ist der erste Schritt dahin getan, vom Einkäufer als eine alle Risiken tragende Hülle betrachtet zu werden, deren überteuerte Fertigung allmählich abstirbt. Ob erdrutschartig oder durch allmähliche Substituierung der eigenen Fertigung, das Siechtum wird auch kalkulatorisch beschleunigt: Mag der Umsatz steigen und ist der Euro aus dem Fernost-Geschäft noch so schnell verdient: Die Marge wird nicht ausreichen, um den für Neuinvestitionen notwendigen Cashflow zu generieren. Folglich veraltet der eigene Maschinenpark, und mit der resultierenden geringeren Fertigungssicherheit bezüglich Maximalkapazität und Qualität bleibt dann nur noch der Rückzug in das Kleinserien- und Expressgeschäft. Also dorthin, wo höhere Ausschussquoten nicht mehr so margenrelevant sind. Letztendlich bringt man sich unfreiwillig in die einzige Situation, in der dem ersten Anschein nach der Leiterplattenhandel funktionieren könnte: die umsatzträchtigen Medium & High Volumes aus Far-East, die Muster aus dem eigenen Haus. Offenbar als ein Weg mit Zukunft betrachten einige Hersteller es auch, sich als Reparaturwerkstatt für die Nacharbeit misslungener Fernostplatinen über Wasser zu halten. Für mich ist der Ausschluss einer Fernostkooperation jedoch nur der erste Schritt. Alle weiteren Maßnahmen sollten darauf ausgerichtet sein, eine klar definierte Alternative zum Billiganbieter darzustellen. Dies kann zum Beispiel auch der Preis sein, wenn man dem Kunden die so genannten »Total Cost of Ownership« vermitteln kann. Hier spielen dann neben Qualität vor allem kurze Lieferwege, Beratungspräsenz und Ressourcensicherung vor Ort eine große Rolle. Wir sind davon überzeugt, hierfür eine Antwort gefunden zu haben. Neben der ursprünglichen Fertigungskompetenz im Mittel- und Großseriengeschäft für vorwiegend große mittelständische Elektronikanbieter freuen wir uns bei MicroCirtec heute über das rasante Wachstum einer vollautomatisierten Bestellplattform (microcirtec.de), die es ermöglicht, nach der Bemusterung auch die mittleren Serien (bis 1000 qdm) online zu bedienen.
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Dieser Beitrag wurde zuletzt am 11.04.2010, 14:48 Uhr nachträglich bearbeitet.
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